5. Mai 2005 
in Kürze: 

Schildkröten können fliegen

"An der türkischen Grenze des Nord-Iraks in einem kurdischen Flüchtlingslager kurz vor Beginn des amerikanischen Angriffes auf den Irak: die Waisenkinder des Lagers leben in extremer Armut. Sie müssen ihr Geld mit dem Bergen amerikanischer Landminen verdienen, die sie für wenige Dinare an Unterhändler abgeben, die die Minen teuer an die UNO weiterverkaufen. Viele der Kinder sind bereits verstümmelt, müssen aber trotzdem jeden Tag von neuem auf die Minenfelder gehen, um nicht zu verhungern.

Satellit, ein technisch versiertes Kind, das eine Kindergruppe anführt, hat gute Kontakte zur nächsten Stadt und den Händlern dort. Er versorgt das Bergdorf neben seinem Lager mit einer Satellitenschüssel. Die Bewohner sind dringend auf Nachrichten angewiesen. Sie rechnen täglich damit, dass der Krieg ausbrechen kann.

Satellit ist ein Fan der Amerikaner. Die Dorfbewohner glauben, dass er die Nachrichten auf CNN für sie übersetzen kann, weil er ein paar Brocken englisch aufgeschnappt hat. Jeden Tag wartet er wie die anderen darauf, dass die Amerikaner kommen und das Land von Saddam Hussein befreien.

Eines Tages begegnet Satellit dem Mädchen Agrin mit ihrem zweijährigen Sohn Digah und Hengov, ihrem hellsichtigen, verstümmelten Bruder, die aus Halabja kommen. Satellit verliebt sich in Agrin. Doch Agrin kann seine Gefühle nicht erwidern, sie ist durch eine mehrfache Vergewaltigung durch irakische Soldaten schwer traumatisiert. Ihr Sohn, der blinde Digah, ist für sie die permanente Erinnerung an dieses unglaubliche Leid. Hinter dem Rücken ihres Bruders, der sich rührend um Digah kümmert, versucht sie immer wieder Digah Gefahrensituationen auszusetzen, denn sie wünscht sich seinen und auch ihren eigenen Tod.

Sie bindet den kleinen Jungen mitten in einem Minenfeld an einen Baum. Jeder Schritt kann tödlich sein. Alle Kinder des Dorfes sind am Rande des Minenfeldes versammelt und rufen Digah laut zu. Doch nur Satellit bringt wegen seiner Liebe zu Agrin den Mut auf dem Jungen zu helfen. Er kann zwar Digah retten, doch eine Mine explodiert: Satellit wird schwer verletzt. Als die amerikanischen Soldaten das Flüchtlingslager erreichen, kann sich Satellit nicht mehr freuen."
(Text: Mitosfilm)

Auszeichnungen:
"Die Goldene Muschel – Bester Film", 52. San Sebastian Filmfestival
"Friedensfilmpreis", Berlinale 2005 
"Silver Hugo- Special Jury Prize" 40. Chicago Filmfestival 
"Special Jury Prize" Tokio Filmex Filmfestival 2004 


 
Filmdaten 
 
Filmtitel: Schildkröten können fliegen 
Originaltitel: Lakposhta ham parvaz mikonand (Irak / Iran 2004)
Alternativtitel: Auch Schildkröten können fliegen
Regie: Bahman Ghobadi ("Zeit der trunkenen Pferde");
Darsteller: Avaz Latif (Agrin), Soran Ebrahim (Satellit), Saddam Hossein Feysal (Pashow), Hiresh Feysal Rahman (Hengov), Abdol Rahman Karim (Digah), Ajil Zibari (Shirkooh) u.a.; Drehbuch: Bahman Ghobadi; Kamera: Shahryar Assadi; Musik: Hossein Ali Zadeh; Länge: 97 Minuten; FSK: ab 12 Jahren; ein Film im Verleih von Mîtos Film; Film-Homepage: http://www.schildkroetenkoennenfliegen.de


Archivierte Kurzinformation 


Zitat

"Nun, niemand schaut nach Hollywood, um einen Kommentar zu gesellschaftlichen Ereignissen zu bekommen, oder? ... Sie haben erst kürzlich entdeckt, dass es Menschen mit dunkler Hautfarbe auf der Welt gibt."

Schauspieler Ian McKellen

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